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Hintergrund

Łódź hat eine markante polnisch-jüdisch-deutsche Geschichte, zunächst kooperativ, dann aber zerstörerisch und gewaltsam. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte Łódź sich zum „Eldorado des Ostens“ und wirtschaftlichen wie kulturellen Schmelztiegel für Polen, Juden, Deutsche, sicher auch mit vielen Gegensätzen und Konkurrenz. In nur wenigen Jahren entstand hier einer der wichtigsten Textilindustriestandorte Europas.

Doch das intensive Mit- und Nebeneinander bewahrte Łódź nicht vor dem Gewaltexzess des 2. Weltkriegs, der den Untergang der Welt des „Lodzermenschen“ einläutete und die Kulturen auseinandertrieb.

Angesichts der früheren Verwobenheit scheint dieses Ende um so schmerzhafter. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht wurden Juden und Polen enteignet, ausgesiedelt, ermordet. „Reichsdeutsche“ wurden zur Verwaltung nach Łódź beordert. Der Riss ging auch durch die Lodzer Deutschen (die allteingesessenen Deutschstämmigen): Einige empfanden - als polnische Bürger - den Einmarsch als Schmach, andere wiederum hießen die neuen Machthaber willkommen. Der Riss ging noch stärker durch Familien, die gemischt verschiedener Herkunft waren. Terror gegen Juden und Polen regierte die Straßen. Juden wurden ins Getto verdrängt, in dem Tausende zu Tode kamen. Viele der jüdischen Lodzer, aber auch Tausende der westlichen Juden, die besonders aus Prag, Wien, Berlin ins Getto deportiert worden waren, wurden im Vernichtungslager Kulmhof ermordet oder ins Konzentrationslager Auschwitz überführt.

Wie erlebten Lodzer Polen, Juden und Deutsche dieses Ende, in dem Volkszugehörigkeit zum trennenden Moment wurde? Wie veränderte sich die Stadt im Alltag der Menschen?

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Mit der Universität Łódź organisiert EVA ein Begegnungsprogramm für Studenten (MA)/Dozenten mit aus Łódź stammenden Zeitzeugen, die berichten werden über den Alltag und die verschiedenen Lebenswirklichkeiten, die vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg hier herrschten. Durch die Berichte der letzten Zeugen werden heutige Menschen sich vergegenwärtigen können, was der schwere Bruch des Krieges und seine Wirkungen für eine europäische Stadt bedeutete.

Die Zeugen (darunter auch heute auswärtig lebende) sind polnischer, jüdischer, deutscher oder gemischter Herkunft. Die Studenten werden sich bereits seit einigen Semestern mit Łódź und seiner Geschichte befasst haben, z. B. mit dem Getto oder der multikulturellen Geschichte der Stadt. Die Veranstaltung steht auch außeruniversitär Interessierten offen. Das Begegnungsprogramm ist aufgeteilt in einen Seminarblock (Bericht, Fragen + Antworten) und dem Besuch von Orten in Łódź, die den Zeugen jeweils biographisch oder historisch wichtig sind.